Pellethersteller verärgert über Initiative zur verantwortungsvollen Holznutzung

„Holzverbrennung ohne Sinn? Seit wann ist die energetische Nutzung von Holz sinnlos“, fragt Markus Mann, geschäftsführender Gesellschafter der Westerwälder Holzpellets GmbH und MANN Naturenergie GmbH & Co. KG in einem Leserbrief an FORDAQ vom 23.10.2010.  Im Online-Auftritt des nach eigenen Angaben „weltweit führenden Marktes der Holzindustrie“  nimmt er Stellung zur Pressemitteilung „Protest gegen Holzverbrennung zur reinen Energiegewinnung“, mit der der VHI am 21.10. auf den europaweiten Aktionstag der Holzwerkstoffhersteller hinwies und die Fordaq am 22.10. aufgriff.

Markus Mann geht auf die volkswirtschaftliche Wertschöpfung ein und schreibt unter anderem: „Holzenergie macht unser Land unabhängig vom Energieimport und hat einen hohen Beschäftigungsfaktor für Mittelstand und Handwerk.“ Zum Marktgeschehen merkt er an: „Erstmalig kommt nun Wettbewerb auf und schon schießt man aus allen Rohren.“

Er ärgert sich über „die Gutmenschen dieser Welt, die einen Kaskadenbrennstoff herstellen wollen“ und mutmaßt, dass „alle anderen Möglichkeiten der Biomasse-Nutzung“ verhindert werden sollen. Das sei „schon ganz schön ungehörig, wenn ein Lobbyverband derartige Worte in den Mund nimmt und selbst vom Brennstoff profitiert“.

Sein Schreiben ist nachzulesen unter
http://holz.fordaq.com/fordaq/news/Holzenergie_Holzpellets_Leserbrief_Holzwerkstoffindustrie_24504.html

Der VHI nahm daraufhin Kontakt zu Markus Mann auf und wie folgt Stellung:

Natürlich ist die Holzenergie nicht „ohne Sinn“. Es entbehrte jeder Grundlage, eine solche Aussage dem Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI) oder seinen Mitgliedsunternehmen unterstellen zu wollen. Wie Markus Mann in seinem Leserkommentar richtigerweise schreibt, sind die VHI-Mitgliedsunternehmen selbst an der energetischen Nutzung von Holz interessiert. Das macht nicht nur produktionstechnisch und betriebswirtschaftlich Sinn, sondern es dient auch der Ressourcenschonung und dem Klimaschutz.

Die Frage ist doch nur: Welches Holz verbrennen wir? Auch das Holz, was wir zuvor für Möbel und andere Holzprodukte verwenden könnten?

Über den Kaskadengedanken sollte man sich nicht lustig machen und ihn schon gar nicht verdammen. Selbst der Vorsitzende des Bundesverbandes Bioenergie (BBE) informierte seine Mitglieder, zu denen übrigens auch der VHI zählt, anlässlich des 10. Internationalen Fachkongresses Holzenergie in Augsburg über den bevorstehenden Versorgungsengpass. Deshalb muss die Suche nach Lösungen für einen möglichst effizienten Rohstoffeinsatz aktuell mit großem Nachdruck vorangetrieben werden.

Auch die Pelletindustrie kann hier ihren Beitrag leisten, denn das Pelletieren von frischem Waldholz, welches für Holzbau-, Möbel- und andere beschäftigungsintensive Produkte geeignet ist, verschärft die Lage auf dem Rohstoffmarkt sehenden Auges.

EnergieholzverbrauchHolzenergie ist leider nicht in der Lage, „unser Land unabhängig vom Energieimport“ (Markus Mann) zu machen. Untersuchungen der Universität Göttingen haben ergeben, dass selbst mit dem gesamten Holzeinschlag Deutschlands nur drei Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs gedeckt werden könnten. Das hilft unserem Land als siebtgrößtem Energieverbraucher der Erde kaum, gefährdet auf der anderen Seite aber bislang sichere Arbeitsplätze in der Holzindustrie; rund 500.000 Jobs stehen hier den lediglich 47.600 Arbeitsplätze gegenüber, die die „feste Biomasse“ mit sich bringt. Nicht nur der Beschäftigungsfaktor ist bei der stofflichen Nutzung signifikant höher, sondern auch der Wertschöpfungsfaktor. Eine Studie des nova-Instituts (Hürth) ergab den Faktor 4 bis 9, jeweils bezogen auf denselben Stoffstrom (Masse) bzw. die selbe Anbaufläche. Der Grund hierfür liegt bei den deutlich komplexeren und längeren Prozessen der stofflichen Nutzung.

Niemand will dem Waldbesitzer oder Privatmann das Heizen streitig machen. Aber keinesfalls darf das Holz in großem Stil schon am Anfang seiner Nutzungsfähigkeit als „Co-Firing“ in Kohlekraftwerken oder ähnlichen Schlunden landen, nur weil die Politik dafür ein paar CO2-Gutschriften bereitgestellt hat. Subventionen und Steuererleichterungen sind hier, dabei bleibt der VHI, ohne jeden Sinn.