Nicht ökologisch

Verfeuerung von Holzpellets in Kohlekraftwerken

Kommentar von Georg Spranger.

Mit der Verfeuerung von Holzpellets in Kohlekraftwerken glauben einige große Stromerzeuger Ersatz für den abgeschalteten Atomstrom gefunden zu haben. Wenn die dann noch vom Staat nach dem Gesetz über Erneuerbare Energien gefördert würde, wäre das fast eine Lizenz zum Gelddrucken. Denn gleichzeitig sparte man Geld zum Kauf von CO2-Verschmutzungsrechten, und zudem ist schon das Wort von der Biomasse-Nutzung imagefördernd.

Doch was den Betreibern verständlicherweise gefällt, treibt Teile der Wirtschaft und Umweltschützer auf die Palme. Selbst wenn in den Öfen wirklich Holz von Gummibaumplantagen aus Liberia verbrannt wird – die Masse des Materials muss aus den heimischen Wäldern kommen.

Schon jetzt wird mehr Holz verbrannt als stofflich für Produkte verarbeitet. Der Wald hat die Grenzen der Nachhaltigkeit erreicht. Das gefährdet einen Wirtschaftszweig, der insgesamt 1,2 Millionen Arbeitskräfte beschäftigt, mehr als die meisten großen Industrien.

Ökologischer Umgang mit Holz besteht darin, dass dessen Verbrennung erst am Ende einer langen Verwertungskette steht. Kaskadennutzung nennen das die Fachleute. Mit vorausschauender Ressourcenpolitik hat die gegenwärtige Verfeuerung von Holz, die sogar steuerlich noch gefördert wird, nichts zu tun. Und wird die hierzulande eingeschränkt, steigt der Druck auf die tropischen Wälder in Form illegaler Abholzung. Soll dieser Kreislauf durchbrochen werden, muss die Pellet-Produktion wieder auf die ursprünglich alleinige Verwertung von Abfall- und Restholz zurück geführt werden.

Zu glauben, man könne sich durch Biomasse-Verbrennung den Bau umweltgerechter Erdgas-Kraftwerke ersparen, ist schon deshalb eine Milchmädchen-Rechnung, weil Erdgas ausreichend zu Verfügung steht und weil es, ermittelt man den ökologischen Fußabdruck ehrlich, umweltfreundlicher ist, als den Wald durch den Schornstein zu jagen.

(unter Verwendung eines Fotoausschnittes von obs/GEA Group AG)