Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken ist wirtschaftlich sinnlos und klimapolitisch falsch

Umweltverbände und Verbände der deutschen Holzwirtschaft stemmen sich gemeinsam gegen den Einsatz holzartiger Biomasse in Kohlekraftwerken. Ihre Vorwürfe an die Energiekonzerne, die die Mitverbrennung vorantreiben: mangelnde Effizienz, Ressourcenverschwendung und die Verknappung des einheimischen Rohstoffs Holz.

Schlecht für Klima und Wald

Wald ins Kohlekraftwerk?

Paradigmenwechsel: Wald ins Kohlekraftwerk?

„Das in Deutschland verfügbare Holzaufkommen wird bereits vollständig durch stoffliche und energetische Holzverbraucher verwertet“, sagt Denny Ohnesorge von der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR). „Die Hälfte des Holzaufkommens wird energetisch genutzt. Dabei ist die stoffliche Holzverwendung auch aus klimapolitischer Sicht viel günstiger zu bewerten. Die Politik sollte daher nicht auch noch Anreize für eine Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken schaffen.“ Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung ergänzt: „Wir können es uns nicht leisten, Holz in Großkraftwerken mit Wirkungsgraden von höchstens 45 Prozent zu verbrennen, statt es dezentral und effizient für die stoffliche Nutzung und – in geringem Umfang – auch für die Raumheizung und in Kraft-Wärme-Kopplung zu nutzen. Der Bedarf solcher Kraftwerke würde zusätzlichen Druck auf die Wälder verursachen und den Spielraum für eine ökologischere Waldnutzung und Waldschutz verringern.“

Bekräftigt wurden die Pläne einiger Energieversorger zur Holzmitverbrennung in konventionellen Kohlekraftwerken durch eine Studie der Deutschen Energieagentur (DENA), die durch die Vattenfall Europe AG unterstützt wurde. Hierin wird unter anderem davon ausgegangen, dass bis zu 50 Prozent der derzeit eingesetzten Kohle durch holzhaltige Biomasse in Kohlekraftwerken ersetzt werden könne. Studien der Europäischen Union (zum Beispiel Mantau, Universität Hamburg) zeigen jedoch, dass Westeuropa – unter Beibehaltung der energiepolitischen Ziele zum weiteren Ausbau der Biomassenutzung – auf eine massive Deckungslücke in der Holzversorgung zusteuert.

Breites Bündnis gegen die Unvernunft

Der Deutsche Naturschutzring (DNR), die Deutsche Umwelthilfe und das Forum Umwelt und Entwicklung lehnen eine Förderung der Mitverbrennung von Holz ebenso ab wie nachfolgende Verbände des Deutschen Holzwirtschaftsrats e.V. (DHWR): Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD), Bundesverband der Altholzaufbereiter und Verwerter e.V. (BAV) und Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie e.V. (VDS). Ähnlich wie im Fall von Papier können heutzutage die meisten Holzreststoffe recycelt und wiederverwertet werden. Daher die Forderung der Verbände: Die Nutzung von Holz sollte ressourcen- und klimaschonend erfolgen und mit einer hohen Wertschöpfung verbunden sein.

DNR-Präsidiumsmitglied Elisabeth Emmert sagt: „Die steigende Nachfrage nach Energieholz führt – ebenso wie in anderen Bereichen der Bioenergieerzeugung – zu Konflikten mit dem Umwelt- und Naturschutz sowie sozialen und entwicklungspolitischen Zielen. Wer also in Deutschland auf Holz zur Mitverbrennung in Kohlekraftwerken setzt, setzt auf Holzimporte. Unabhängig von der Frage der Mengenverfügbarkeit muss auch importiertes Energieholz die Einhaltung strenger Nachhaltigkeitskriterien gewährleisten.“

Zum Hintergrund:

Kohlekraftwerke befinden sich häufig an Standorten, die für die Versorgung mit Kohle günstig gewählt wurden, jedoch für die Versorgung mit holzartiger Biomasse – insbesondere aus den wenigen noch verfügbaren Holzreserven wie aus Übersee – ungeeignet sind. Da die Mitverbrennung wegen des bereits gebundenen nationalen Marktes auf eine Belieferung mit importierter Biomasse ausgerichtet werden müsste, stellt sich die Frage, wie sicher die kontinuierliche und langfristige Versorgung mit dem Rohstoff tatsächlich ist. Holzexperten gehen davon aus, dass sich die Energieversorger je nach Marktlage und Preisgefüge letztlich auf regionalen Rohholzmärkten versorgen. Besonders kritisch wäre es bei abbrechenden Versorgungsströmen aus Übersee, beispielsweise durch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung in der Herkunftsregion. Dieser Zugriff der Mitverbrenner auf den nationalen Holzmarkt würde zu Verwerfungen auf dem Rohstoffmarkt zum Nachteil der holzbe- und verarbeitenden Industrie führen.