Mein Eigenheim vom 15.11.2011

Wird unser Wald verheizt?

Zwei Experten, zwei Meinungen: Überfordert die Hochkonjunktur des Energiebrennstoffs Holz die nachhaltige Waldbewirtschaftung? Das fragt das Magazin für Bauen und Wohnen, „Mein Eigenheim“ (Auflage 2 Mio. Expl.), in seinem Titelthema "Natürlich HOLZ" in Heft 4/2011. Das Blatt lässt zur Beantwortung dieser Frage zwei renommierte Experten zu Worte kommen: Professor Arno Frühwald vom Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg und Martin Bentele, Vorsitzender des Deutschen Energieholz- und Pelletverbandes (DEPV).

Arno Frühwald sieht den deutschen Wald bereits heute am Limit: Der Holzeinschlag in Deutschland liege mit 75 Mio. m3/Jahr nur noch knapp unter dem, was nachhaltig ist. Ähnlich sei die Situation in ganz Europa. Steigerungsmöglichkeiten für die Energieholznutzung seien illusorisch, sollen nicht alle anderen Funktionen des Waldes darunter leiden. Steigende Nachfrage führe bei begrenzter Verfügbarkeit von Holz zudem zu Engpässen und steigenden Preisen. Es gelte, nicht mehr Holz für die Energiegewinnung aus dem Wald zu holen, sondern den Wirkungsgrad der Energie-Holznutzung zu steigern. Gegen die energetische Verwendung von Holz im Privatbereich hat Frühwald grundsätzlich wenig auszusetzen. Problematisch hingegen bewertet Frühwald den großtechnischen Einsatz von Holz, z.B. bei der subventionierten Stromerzeugung. Eine einseitige Förderung der Energiewirtschaft verkenne zudem die wirtschaftliche Realität. Die deutsche Holzwirtschaft beschäftige über eine Million Menschen, der Holz-Energiesektor dagegen nur rund ein Zehntel davon. Schließlich plädiert Frühwald für das Kaskadenprinzip. Das bedeute zunächst einmal, Produkte herzustellen und damit ökonomische Werte für die Gesellschaft zu schaffen, die Arbeitsplätze sichern, und erst ganz am Ende der Wertschöpfungskette der einzelnen Holz-Produkte mit diesen Energie zu erzeugen.

Martin Bentele argumentiert als Vertreter der Energieholzwirtschaft mit den Standpunkten seines Verbandes. Solle die Energiewende geschafft werden, müsse sie vor allem auf dem Wärmesektor erfolgreich sein. Eine Abkehr von den fossilen Energieträgern hin zu heimischen, regionalen Kreisläufen, führe am Energieträger Holz nicht vorbei. Beim Holz entscheide der Markt, der es jedem Marktteilnehmer ermöglicht, durch einen höheren Preis Holz von der energetischen in die stoffliche Verwertung zu lenken. Selbstverständlich müsse bei der energetischen Nutzung von Holz ein hoher Effizienzgrad angestrebt werden. Im Wärmesektor sei dieses Prinzip bereits umgesetzt, so Bentele, denn hier könnten moderne Holzfeuerungen Wirkungsgrade von über 90 Prozent erreichen.

Lesen Sie den Beitrag von Professor Frühwald hier vollständig: Der Konkurrenzkampf um Holz darf nicht zugunsten der Energie ausgehen.