klimaretter.info vom 06.10.2011

Auch RWE auf dem Holzweg

Autor Martin Reeh beschreibt, wie der Energiegigant RWE nach dem Ende der Atomkraft in Deutschland auf der Suche nach neuen gewinnbringenden Geschäftsfeldern ist und dabei - wie momentan viele andere Energieproduzenten - die wertvolle und knappe Ressource Holz für sich beansprucht. Die Situation für RWE habe sich in der Tat seit dem Atomausstiegsbeschluss dramatisch verschlechtert: der Aktienkurs brach seitdem um die Hälfte ein. Nun solle das Verfeuern von Holz-Pellets in Großkraftwerken die Gewinne der Zukunft bringen.

Unterstützt werden solle die Expansion auf dem neuen Geschäftsfeld mit staatlicher Hilfe: RWE mache sich für eine Abschaffung der Förderbegrenzung auf Biomasseanlagen mit einer Kapazität von maximal 20 Megawatt stark. Das Echo auf diese Strategie ist sehr geteilt. Die Grünen halten dies bei der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards für sinnvoll, sowohl der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) als auch der Deutsche Energieholz- und Pelletverband lehnten diesen Vorstoß von RWE ab. Hauptsächliche Kritikpunkte der letztgenannten Verbände seien vor allem die Verschwendung des Energieträgers Holz, die Ablehnung von marktverzerrenden Regelungen durch den Staat und der grundsätzliche Verdacht, RWE nutze Fördergelder nur um alte Strukturen weiter zu erhalten und dabei lediglich den Brennstoff auszutauschen.

In der Zwischenzeit habe RWE im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia bereits das weltgrößte Pelletierwerk errichtet. Verbrannt werden sollen die Pellets dann im britischen Tilbury sowie im niederländischen RWE-Kohlekraftwerk Amer. Der Anteil der Steinkohle würde in Amer mit den Pellets aus Georgia bereits auf 50 Prozent gesenkt werden können.

Dieses Prinzip des „Co-firing“ praktiziere in Deutschland bereits Vattenfall. Den Hintergrund für diese Strategie erkennt der Autor vornehmlich im europäischen Zertifikatehandel: Die Kosten für den Kohlendioxid-Ausstoß sollen ab 2013 allein für RWE dann bei 2,2 bis 2,3 Milliarden Euro liegen. Holz sei daher gefragt wie nie, doch der europäische Markt verfüge nicht über die von der Energiewirtschaft benötigten Holzmengen. Vattenfall beziehe sein Holz daher aus Liberia und suche nach weiteren afrikanischen Holzlieferanten. Auch RWE benötige neben den Wäldern in Georgia neue Ressourcenquellen, um den Bedarf deutscher Biomasse-Kraftwerke zu befriedigen. Dies könne der Beginn einer bedenklichen Entwicklung sein.

Link zum Artikel hier.