Gesucht: Strategie zur zukünftigen Rohstoffverteilung

Diskussion auf DFV-Jahrestagung verlief teilweise unsachlich.

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es angesichts der Tatsache, dass die derzeitige und die zu erwartende Holznachfrage nicht vollkommen gedeckt werden können?

Vom 21. bis zum 25. September 2011 lud der Deutsche Forstverein e.V. (DFV) gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen zur 65. DFV-Jahrestagung nach Aachen ein. An dieser bundesweit größten forstlichen Fachtagung nahmen Vertreter der Forst- und Holzbranche aus dem In- und Ausland teil.

Im zentralen Seminarprogramm stand am 22.09. u.a. das kontroverse Thema „Geht uns das Holz aus?“. Moderator Winfried Drexler von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schickte die zahlreichen Zuhörer dabei auf die Suche nach einer „konzertierten Strategie zur zukünftigen Verteilung des Rohstoffes“. Zur Einführung schickte er voraus: „Die vielseitige Verwendungsmöglichkeit von Holz führt zu einem starken Verdrängungswettbewerb um den wertvollen Rohstoff, der seinen volkswirtschaftlichen und maximalen ökologischen Nutzen infrage stellt. Welche Lösungsansätze gibt es?“ Dann präsentierte Drexler als Ausgangpunkt die Seminar-These:

Holz als Rohstoff ist ein knappes Gut. Der verantwortungsvolle Umgang mit Holz ist für die Rohstoffversorgung unabdingbar. Die Kaskadennutzung muss optimiert werden.

Als erster Referent ergriff Martin Bentele, Geschäftsführer Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e. V., das Wort. Mit viel Elan pries er die Holzenergie als Türöffner für die forstliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Holzknappheit als Chance, um den Wert der forstlichen Arbeit darzustellen. Die Idee der Kaskadennutzung zog er ins Lächerliche, indem er sie zum einen mit Planwirtschaft verglich und zum anderen das Bild einer „Oma“ bemühte, die „ihr Klavier in den Ofen schiebt“. Nach Benteles Meinung gebe der Markt wohl keine Kaskade her. Außerdem sei die Holzverbrennung nicht zwangsläufig weniger effizient als die stoffliche – ein Vergleich, den er nicht exakt begründete. Abschließend identifizierte er Möglichkeiten, das Holzangebot zu erhöhen: beim Verzicht auf Holz-Verstromung, beim landwirtschaftlichen Anbau sowie beim Import.

Aus wissenschaftlich fundierter Sicht konterte PD Dr. rer. silv. Gabriele Weber-Blaschke die Ansichten des Energieholz-Sprechers. Weber-Blaschke, die das Fachgebiet Ressourcenmanagement an der TU München lehrt, stellte fest:

Die direkte Verbrennung von Holz, welches stofflich verwertet werden kann, ist unter den Aspekten Wertschöpfung, Arbeitsplatzsicherheit, Waldökologie und Klimaschutz eine Sackgasse!

Während sie die EEG-Förderung als „Gefahr für den Wald“ einstufte, würdigte sie die Kaskadennutzung als eine Maßnahme, die die Konkurrenz ums Holz entspannen könne. Eine Mehrfachnutzung steigere den Mehrwert von Holz. Kaskade und Effizienz seien Innovationstreiber. Am Ende werde beides gehen: die stoffliche und die energetische Nutzung. Den Vorrang müsse aber stets die stoffliche Nutzung behalten, so die Stoffstrom-Expertin.